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Zofingen hat eine Chance verpasst!


Der Stadtrat bekräftigt seinen Entscheid, die "Friedau" für die Musikschule nutzbar zu machen

 

 

Eine Petition fordert den Erhalt einer Jugendherberge in Zofingen – gegebenenfalls an einem andern Standort. Die Petitionäre begründen dies damit, dass die "Friedau" für eine Musikschule ungeeignet und die Jugendherberge ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor für Zofingen sei. Der Stadtrat hat das Anliegen geprüft und hält am Entscheid fest, dass die heutige Jugendherberge zu Gunsten der Musikschule umgenutzt werden soll.

Im Rahmen der Erarbeitung der Immobilienstrategie für die Stadt Zofingen hat der Stadtrat entschieden, die heutige Jugendherberge, das Gebäude "Friedau", künftig als Musikschule zu nutzen, denn diese braucht mehr Platz. Gleichzeitig ist die "Friedau" sanierungsbedürftig, womit sich die Frage nach der künftigen Nutzung so oder so gestellt hat. Erste Abklärungen mit Fachleuten haben ergeben, dass die Jugendherberge im Rahmen einer Sanierung gut zu einer Musikschule umgenutzt werden kann. Der Standort neben der heutigen Musikschule und in unmittelbarer Nähe der Schulen ist dafür ideal.

In der Vergangenheit hat die Stadt dem Verein Schweizer Jugendherbergen das Gebäude kostenlos zur Verfügung gestellt und darüber hinaus auch alle anfallenden Investitions- sowie grosse Teile der Unterhalts- und Erneuerungskosten getragen. Weil Zofingen für den Verein Schweizer Jugendherbergen kein "A-Standort" darstellt, hätte dieser ohne Kostentragung durch die Stadt den Standort schon in der Vergangenheit nicht betrieben. Entsprechend wäre der Verein Schweizer Jugendherbergen auch nicht bereit gewesen, sich an anstehenden grösseren Sanierungskosten zu beteiligen. Auch das Angebot des Stadtrats, bei der Suche nach einer Alternative behilflich zu sein, wurde nicht genutzt. Dies, weil der Verein Schweizer Jugendherbergen Zofingen als "C-Standort" klassiert und daher nicht in der Lage ist, dafür Miete zu zahlen.

Der Stadtrat hat in seinen Überlegungen nebst der Sichtweise der Steuerzahlenden auch die verschiedenen Aspekte der Standortattraktivität gewürdigt. Der touristische Stellenwert von Jugendherbergen hat sich in den letzten 40 Jahren stark gewandelt. In und um Zofingen bestehen heute sehr viele Angebote in verschiedenen Preisklassen im Bereich Hotellerie und Parahotellerie. Auch Private stellen preisgünstige Übernachtungsangebote zur Verfügung, z. B. über Airbnb. Das Stadtbüro verfügt über entsprechendes Informationsmaterial und vermittelt gerne Angebote. Mit einem Wegfall der Jugendherberge ist der touristische Standortwert Zofingens also keinesfalls gefährdet. Dies belegt auch die Einschätzung des Vereins Schweizer Jugendherbergen, welche den Standort Zofingen der niedrigsten Bedeutungsstufe zuweist.

Zudem kann festgestellt werden, dass die Jugendherberge regelmässig z. B. von in der Region auf Baustellen tätigen Arbeitenden genutzt wird. Mit touristischem Standortwert haben solche Logiernächte nicht viel zu tun. Sie bringen keinen touristischen Umsatz in die Stadt und für das lokale Gewerbe. Zudem erachtet es der Stadtrat grundsätzlich als problematisch, einen einzelnen Anbieter aus dem Bereich der Hotellerie und Parahotellerie mit Steuergeldern zu subventionieren, während die Konkurrenten nicht auf eine solche Unterstützung zählen können.

Aufgrund dieser Überlegungen hält der Stadtrat an seinem Entscheid fest, die «Friedau» neu für die Musikschule Zofingen zu nutzen.

ZT-Talk zum Thema


Einwohnerratsitzung  23.Nov. 2020

Dringliche Interpellation

Am Montagabend wurde eine Interpellation zur Immobilienstrategie des Stadtrats eingereicht. Das Geschäft wurde vom Einwohnerrat als dringlich eingestuft und vom Stadtrat sofort beantwortet.

 

Der Einwohnerrat wollte vom Stadtrat wissen:

  • Wie stellt der Stadtrat sicher, dass der Einwohnerrat und die Bevölkerung in die Strategie einbezogen werden?

Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger erklärte, dass der Stadtrat im Sinn habe, den Einwohnerrat sowie die Bevölkerung regelmässig über den Stand zu informieren.

  • Ist der Stadtrat bereit, dem Verein Jugendherbergen Schweiz einen alternativen Standort anzubieten, um weiterhin den nachhaltigen Tourismus in der Region zu fördern und daraus einen Standortvorteil zu erzielen?

Dazu sagte Hottiger: «Wir haben den Verein gefragt, ob er an einer anderen Immobilie interessiert wäre.» Für den Verein Jugendherbergen Schweiz ist Zofingen ein C-Standort.

 Das heisst: Die Liegenschaft müsse gratis zur Verfügung stehen und fertig ausgebaut sein. Möchte jemand derzeit die Friedau mieten, müsste er 4260 Franken monatlich hinblättern. Zudem sei seit einiger Zeit eine Sanierung dringend nötig.

 Hottiger verwies in seiner Antwort zudem auf Bed&Breakfast-Unterkünfte in Zofingen und Umgebung. Teilweise seien diese Unterkünfte gar günstiger als die Jugendherberge. Weiter seien die Zivilschutzanlagen günstig zu haben für Übernachtungen. Beispielsweise die Teilnehmer des Basketball Camps würden da jeweils übernachten. «Es ist zudem problematisch, wenn die Stadt einen Anbieter quasi sponsert», ergänzt Hottiger. Aber natürlich bedauere der Stadtrat, dass es mit der Jugendherberge nicht mehr weitergeht. Allerdings brauche man den Platz jetzt selber.

Nachlese zu diesem politischen Vorstoss und ein paar Gedanken dazu.

 

Bei der Immobilienstrategie handelt es sich um einen seit Jahren angekündigten grossen Wurf, der viele Fragen zu den ca. 100 Immobilien der Stadt Zofingen lösen soll. Das ist mithin ein Grund, dass die Jugendherberge baulich nicht auf dem neuesten Stand ist. Der Stadtrat wollte die Strategie zuerst zu Ende denken. Eine Zusammenfassung dieses Strategiepapieres findet sich unter Immobilien-Strategie 

 

 

 Dass ein so emotionaler Entscheid wie die Schliessung der Jugendhererge nicht kommuniziert wurde, ist nur schade!

 

 Ja, es ist so, die Zofinger Jugendherberge ist klein und fein. Die Einnahmen decken die Betriebskosten und den kleinen Unterhalt.  Es stimmt auch, dass die Jugendherbergen Schweiz keine finanziellen Investitionen tätigen können.

Und hier beginnt der Denkfehler des Zofinger Stadtrats. Der Verein braucht die Jugendherberge in Zofingen nicht, ABER Zofingen braucht die Jugendherberge. Zofingen soll sich glücklich schätzen, eine Jugendherberge zu haben, denn  dieses  Angebot ist für die Stadortattraktivität von sehr grosser Bedeutung. Ob da Zivilschutzanlagen das richtige Ersatzangebot sind, bezweifelt ja selbst der Stadtammann, wenn er sagt, dass der Stadtrat es natürlich bedauere, wenn es mit der Jugendherberge nicht mehr weitergehe.

 

Ob das Gebäude der Jugendherberge für eine moderne Musikschule geeignet ist, wird vielerorts bezweifelt. Diese Idee war schon vor 35 Jahren auf dem Tisch. Die Schallisolation hat sich in der Zwischenzeit nicht von alleine verbessert. Eigentlich müsste noch einmal bewusst gemacht werden, dass genau mit diesem Problemen beim Umbau im Nachbargebäude, das heute der Musikschule zur Verfügung steht, gekämpft wurde. Das ging ins Geld.

 

Jetzt soll mit einem Projekt die Musikschultauglichkeit noch einmal geprüft werden. Über 500 Unterzeichnende der Petiton zum Erhalt der Jugendherberge gehen davon aus, dass diese nach wie vor die einzig richtige Nutzung der Friedau ist.